Sünner Dry Gin No 260

Ein Freund, der beruflich  in Köln zu tun hatte, schenkte mir vor einigen Jahren eine Flasche  Sünner Gin No 260. Vom Design her eher klassisch reduziert, machte er mich neugierig auf seinen Inhalt. Eine vernehmbare Wacholdernote, begleitet von Zitronen- und Bitterorangenaromen, im Abgang ein wenig Schärfe von Paradieskörnern lassen ihn wie einen klassischen englischen Gin wirken.

Dreifach destilliert und mit 43 % Volumen Alkohol prädestiniert für einen „echten“ Gin & Tonic! Aufgefüllt hab ich einmal mit Tonic Thomas Henry und einmal mit Fevertree Indian Tonic. Die passen beide gut, da diese beiden Tonics mit ihrem relativ hohen Chinin Anteil gut mit dem kräftigen Sünner harmonieren. Mit einer Zitronenzeste garniert genießen und man fühlt sich wie in London!

Im Sommer 2018 war ich dann in Köln im Hyatt Regency zu einer Abendveranstaltung gebucht, bei dem ich ein Menü mit Gin begleitete. Da durfte einer aus Köln natürlich nicht fehlen! Also machte ich mich auf den Weg nach Köln Kalk und suchte die Brauerei Sünner auf.

Die ist 185 Jahre alt und soll das Kölsch erfunden haben. Die Braustätte befindet sich über einer ehemaligen Kohlezeche, die voll Wasser lief. Ideale Bedingungen für die Brauerei, denn das Wasser war sauber und in großen Mengen vorhanden.

Neben dem Brauen von Bier, brannte man damals auch gleichzeitig Korn und Wacholdergeist. Eben das typische „Herrengedeck“ Bier & Korn! Das hieß dann Dampfkornbranntweinbrennerei. Und diese alte Tradition lebt auch heute kaum verändert weiter. Das Getreide kommt zum Teil von einem Bauern aus Köln Poll, aus dem bei Sünner der Kornbrand hergestellt wird, der unter anderem die Basis für den Dry Gin No 260 ist. Das ist  relativ selten und eine Besonderheit, denn die meisten Gin Brennereien stellen den Basisalkohol nicht selber her, da sie nicht über die nötige Technik verfügen, einen neutralen Brand mit den nötigen 96 % Volumen Alkohol zu erzeugen.

Für meine Veranstaltung entschied ich mich für den „Sinner Strength“. Das ist die Version mit 57,3 % Volumen Alkohol, die in der alten englischen Tradition gründet, für die Marine einen stärkeren Gin zu brennen. Man nannte es „Navy Strenght“ oder „Sailor Strenght“ und er sollte Platz sparen und „gun powder proofed“ sein.

 Tatsächlich sollen die Versorgungsoffiziere den Gin auf seine Reinheit geprüft haben, indem sie ihn anzündeten. Was ohne zu rußen gut brannte, hatte die Prüfung bestanden. Das Schwarzpulver für die Kanonen, das durch ausgelaufen Gin nass geworden war, funktionierte dennoch! Das englische Wort „proof“ wird seitdem aus diesem Grund ebenso als „Beweis“ als auch als Maßeinheit für den Alkoholgehalt verwendet.

Martin Sittkus, der technische Betriebsleiter bei Sünner, war sehr gastfreundlich und ließ mich die Brennerei mit ihren eindrucksvollen Brennkesseln besichtigen. Und wie so oft bei meinen Recherchen stieß ich wieder auf eine Brennanlage aus dem Schwäbischen. Jacob Carl aus Göppingen. Die Firma, die sich heute in Eislingen/Fils befindet, baut seit 1869 Destillerien, die von Brennern weltweit verwendet und geschätzt  werden! Aber davon an anderer Stelle mehr…

Kraft hat er, der „Sinner Strenght“, aber sprittig kommt er nicht daher! Überraschend mild und ausgewogen fand ich ihn. Probiert ihn einfach selber mal! Zu beziehen natürlich direkt vor Ort in Köln und im Web. Die Sünners haben auch eine schöne Gastronomie im ehemaligen Eiskeller der Brauerei  eingerichtet und im Sommer kann man draußen im Biergarten sitzen. Ein Besuch dort lohnt sich in jedem Fall!

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